Recap Adobe Digital Marketing Days 2014

Zielgruppeansprache Frauen und MännerEin bekanntes Sprichwort besagt: „Was nichts kostet, ist nichts wert.“ Die Adobe Digital Marketing Days sind für mich, obwohl gratis, davon ein Stück weit entfernt. Klar, es handelt sich um eine Verkaufsshow der Sales- und Marketing-Kollegen von Adobe. Und Neukundengewinnung sowie Bestandskunden-Reaktivierung steht weit oben auf der Liste mit Zielen. Dennoch war die Roadshow des nach eigenen Angaben weltweit führenden Anbieters im Bereich des digitalen Marketings ein Besuch wert. Gestern in München lag das primär an zwei Programmpunkten, auf die ich mich hier beschränken werde: Erstens die Keynote von Dr. Hans-Georg Häusel aus der Gruppe Nymphenburg und zweitens am Proof of Concept von Jürgen Kübler aus der Schweizer PostFinance.

Bestsellerautor Dr. Hans-Georg Häusel („Think Limbic!“, „Brain Script /Brain View“, „Neuromarketing“ und zuletzt „Emotional Boosting“) erläuterte emotional und zügig den wissenschaftlichen Hintergrund zu Kaufentscheidungsprozessen. Zwar hat man die Zielruppensegmentierung anhang der Limbic Map schon öfter gehört, aber wer achtet darauf im Daily Business? Mir sind jedenfalls kaum Webprojekte bekannt, die Inhalte für unterschiedliche Zielgruppen ausliefern! Zur Auffrischung ein paar Keyfacts aus dem Vortrag:

  • 70%-80% unserer Entscheidungen werden unbewusst getroffen
  • Die Bewertung von Triggern geschieht im Limbischen System
  • Was keine Emotionen auslöst, ist für unser Gehirn sinn- und wertlos
  • Denken ist der schlimmste Zustand unseres Gehirns. Das Gehirn versucht, Denken zu vermeiden. Der Mensch liebt deshalb Einfachheit
  • Unser Gehirn nimmt 2% der Körpermasse ein, benötigt aber zum Denken 20% der vorhandenen Energie
  • Print und Online emotionalisierren andere Bereiche im Gehirn, d.h. beide Elemente können effizient kombiniert werden
  • Starke Marken entlasten das Gehirn kognitiv, aber das Limbische System erhöht die Aktivität

Im Anschluss lag der Fokus der Agenda auf Cases aus Adobe Partnerunternehmen. Für den Blick über den Tellerrand, will ich nur noch die Session der Schweizer PostFinance hervorheben. Erstaunt kann man festhalten, dass die konservative Schweizer Bankenlandschaft sich sehr wohl mit dem Digitalen Wandel befasst. So werden Webinhalte bei postfinance.ch heute bereits dynamisch anhand definierter Nutzereigenschaften ausgeliefert. Vereinfacht dargestellt, an der Kundin Heidi, die häufig Artikel in Euro bezahlt sowie Eurobeträge vom Konto abhebt, aber keine Kreditkartennutzerin ist. Als Ergebnis erhält Heidi Webinhalte, die das Kreditkartenangebot der PostFinance in den Fokus rückt. Die Herausforderung, dass mit diesem Targeting nur wenige Prozent der Nutzer angesprochen werden, die bereits Kunden sind, wurde ebenfalls angegangen. Mittels Adobe Target wird zusätzlich jeder anonyme Websitebesucher anhand seines Nutzerverhaltens segmentiert und mit dynamischen Inhalten individuell angesprochen. Aus Sicht der Bank ist die getrennte Betrachtung von anonymen und bekannten Nutzerdaten elementar. Auch nicht verheimlichen wollte Jürgen Kübler von der PostFinance, dass die technologische Weiterentwicklung nicht bei allen Mitarbeitern sofort Akzeptanz fand.